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Ausdehnungsneigung des Feuers

(Ausdehnungsneigung, Wärme, Zündtemperatur, Zündwärme, Mindestverbrennungstemperatur, Flamme, Glut, Feststoff, Flüssigkeit, Gase, Löschwirkung, Brand)

Für die Einsatzpraxis der Brandbekämpfung liegt die Betonung auf der „Wärme”. Bei Normaltemperatur sind der brennbare Stoff und der Sauerstoff vorhanden und normalerweise unbedenklich.

Das „Ungewöhnliche” ist die Wärme: die Zündwärme („kritische” Wärme), welche die jeweils erforderliche Zündtemperatur („kritische” Temperatur) erzeugen kann. Nach dem Erreichen der Zündtemperatur wird das Brennen eingeleitet. Die Entstehung der „kritischen” Wärme wird durch den Wärmestau begünstigt.

Eine selbständig fortschreitende Verbrennung kann aber erst beim Erreichen der Mindestverbrennungstemperatur aufrechterhalten bleiben, die oft wesentlich höher als die Zündtemperatur liegt.

Aus dem möglichen Weg der Übertragung der „kritischen” Wärme ergibt sich die mögliche Brandbedrohung. Man spricht dabei vom „Wärmeweg”. Den Übertragungsweg zu erkennen, ist die Grundlage aller feuerlöschtaktischen Überlegungen.

Die Übertragung der „kritischen” Wärme kann erfolgen durch:

  • Berührung mit Flammen oder Glut (auch als Flugfeuer/Funkenflug)
  • Wärmeleitung: Wärmeübertragung innerhalb eines festen, flüssigen oder gasförmigen Stoffes oder von Stoff zu Stoff bei Berührung
  • Wärmeströmung: Wärmeübertragung in Gasen oder Flüssigkeiten durch deren Strömung
  • Wärmestrahlung: Wärmestrahlung ist die elektromagnetische Strahlung, die ein Stoff infolge seiner Temperatur unter Abgabe eines Teils seines Wärmeinhaltes an die Umgebung aussendet.

Die Wärmeübertragung durch Wärmeleitung und Wärmestrahlung ist abhängig von Art und Form des brennbaren Stoffes (Brandgut, Bauweise, Brandabschnitt, Feuerbrücken usw.) und von Sauerstoff (Sauerstoffkonzentration, Windrichtung und -stärke) prinzipiell in alle Richtungen möglich. Die Wärmeströmung erfolgt im Brandfall in der Regel von unten nach oben, soweit der „Wärmeweg” nicht durch Hindernisse, Brandgut und Wind abgelenkt wird. Das Flugfeuer breitet sich in Abhängigkeit von der Wärmeströmung und Wind aus. Die Wärmeübertragung und damit die Brandausweitung muss deshalb räumlich (in 3 Dimensionen) gesehen werden. Für die Brandbekämpfung bedeutet das einen „Vorteil” für das Feuer als Gegner, da die Löschwirkung überwiegend flächig (in 2 Dimensionen) erfolgt.

Ausdehnungselipse:
Bei ebenem, völlig gleichartigem brennbaren Stoff und Windstille erfolgt die Wärmeübertragung und damit die Brandausweitung in immer größer werdenden konzentrischen Kreisen.

Bei stetigem Wind aus der gleichen Richtung verformen sich diese „theoretischen” Kreise zu Ellipsen. Besonders deutlich wird das bei Flächenbränden. Eine Abweichung von der Ellipsenform kann als Folge von Hemmung oder Förderung der Brandausweitung durch das Objekt und die brennbaren Stoffe (Brandgut) und durch die im Brand selbst entstehenden Luftströmungen eintreten. Ein Brand kann sich auch gegen die Windrichtung (hauptsächlich durch Wärmestrahlung) ausweiten, doch die Ausdehnungsneigung ist in dieser Richtung wesentlich geringer als mit dem Wind. Bei Wind breitet sich deshalb das Feuer nicht wie eine „Feuerwalze” aus, sondern von oben gesehen vorwiegend in Ei- oder Birnenform und das nicht nur in der Fläche, sondern auch räumlich.

Der entstehende Gefährdungsraum erinnert deshalb eher an einen ovalen Luftballon beim Aufblasen. Die Form und Höhe des Gefährdungsraumes wird vor allem durch die Wärmestrahlung, die Wärmeströmung und das Flugfeuer (die Flugparabel) beeinflusst.

Merkblatt "Feuer als Gegner"

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